Auch wenn nicht jeder so komfortabel sitzen kann – Powernapping erfrischt und steigert die Leistungsfähigkeit. Foto: König + Neurath

10.02.2010 - Gesundheit

Von Lerchen, Nachtigallen und Mittagsschlaf

Müdigkeit bei der Büroarbeit ist offiziell kein Thema. Wer im Büro am Arbeitsplatz verweilt, gilt als fit und leistungsfähig. Doch die Aufgaben werden komplexer, die Quantität nimmt zu und nicht zuletzt wird in Krisenzeiten gerne am Personal gespart. Kein Wunder also, dass viele MitarbeiterInnen gestresst und übermüdet sind. Doch darüber spricht man nicht gerne, weil Müdigkeit in den Maximen einer leistungsorientierten Arbeitsgesellschaft einfach nicht vorkommen darf. Wer schläft gilt als Schlafmütze. Wachheit, besonders der Zustand höchster Aufmerksamkeit, wird allgemein erwartet. Damit die hohen Leistungsanforderungen allerdings erfüllt werden können, brauchen die Menschen genügend Schlaf – auch am Arbeitsplatz. Das kleine Schläfchen in der Mittagszeit – heute als Powernapping bezeichnet – regeneriert, erfrischt und gibt neue Schaffenskraft.

Genügend guter Schlaf ist ausgesprochen wichtig für die menschliche Gesundheit. Wann wir wie viel schlafen sollten, wird von unserem circadianen System geregelt, das im Volksmund als innere Uhr bezeichnet wird. Dieser Circadianrhythmus des Individuums kommt wahrscheinlich hauptsächlich durch eine genetische Vorgabe zustande, was bedeutet, dass die Lerchen als Frühaufsteher einen anderen Schlaf-Wachrhythmus haben als die Nachtigallen, die abends nur mühsam in den Schlaf finden. Viele Lerchen können abends ab einundzwanzig Uhr nur mit Mühe wach bleiben, die Kernschlafzeit liegt zwischen dreiundzwanzig und drei Uhr, während bei den Nachtigallen diese Phasen um ungefähr drei Stunden nach hinten verschoben sind und diese am Morgen die bekannten Startschwierigkeiten haben. Das moderne Arbeitsleben belastet den individuellen circadianen Rhythmus durch Schichtarbeit, Nachtarbeit, Reisen und auch Arbeiten bei künstlichem Licht. Es muss also immer wieder eine Anpassung stattfinden, die den Menschen zusätzlich belastet. Alles zusammen hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Wachheitsgrad der Menschen und ihre geistige Leistungsfähigkeit. Amerikanische Wissenschaftler haben außerdem festgestellt, dass zu wenig Schlaf Übergewicht fördern kann. In einer Langzeitstudie mit über 68.000 Teilnehmerinnen wurde herausgefunden, dass jene Frauen, die pro Nacht höchstens fünf Stunden Schlaf bekommen, im Schnitt 2,4 Kilogramm mehr wiegen als jene, die mindestens sieben Stunden schlafen. Teilnehmerinnen mit höchstens fünf Stunden Schlaf wiesen ein 32 bzw. 15 Prozent höheres Risiko auf, im Laufe der Studiendauer mindestens 15 Kilogramm zuzulegen oder gar fettleibig zu werden. Ein weiterer Grund also besonders auf genügend Schlaf zu achten.

Dass aber gerade die Arbeitswelt mit ihren besonderen Anstrengungen ermüdend wirkt, erscheint nicht neu zu sein, wurde aber im Rahmen von zahlreichen Studien und Untersuchungen in den vergangenen Jahren belegt. Eine Studie der Universität Maastricht über die „Psychische Ermüdung in der Arbeitswelt“ konnte nachweisen, dass bereits ein Jahr nach Arbeitsbeginn 10 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen chronisch ermüdet waren. Männer leiden dabei besonders unter emotionalen und körperlichen Belastungen, während sich Frauen durch Aufgabenansprüche und Konflikte mit KollegInnen belastet fühlen und ermüden. Forscher der NASA haben herausgefunden, dass MitarbeiterInnen, die nachmittags ein Schläfchen halten können, ihre Leistungsfähigkeit um 35 Prozent und die Qualität ihrer Entscheidungen sogar um 50 Prozent steigern konnten. Viele weitere Studien belegen die Wirkungen eines Kurzschlafs zwischendurch. All das spricht also klar für das Powernapping, das Schläfchen zwischendurch. Für unsere Groß- oder Urgroßeltern war es noch selbstverständlich, nach dem Mittagessen kurz im Lehnstuhl wegzudösen oder auch den Kopf zu einem Nickerchen auf die Tischplatte zu legen. Heute gilt es, den Vorurteilen entgegenzutreten und den Büroschlaf aufzuwerten. Denn er wirkt sich positiv auf das Kurzzeitgedächtnis aus, steigert die Leistung, schützt vor Herzkrankheiten und macht obendrein gute Laune! Allerdings gilt auch: nicht zu lange schlafen. Schon fünf Minuten wirken entspannend, aber länger als 20 bis 30 Minuten soll der Schlaf nicht dauern. Sonst wird das Erwachen ein Problem. Und wie geht das im Büro? Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: die Rückenlehne des Bürostuhles zurückklappen, Füße auf den Tisch und entspannen. Oder den Kopf auf die Tischplatte legen, wie es schon die Altvorderen taten. Und wer es braucht, kann über seinen MP3-Player oder sein Handy etwas Entspannendes anhören. W.O.Geberzahn

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Dass aber gerade die Arbeitswelt mit ihren besonderen Anstrengungen ermüdend wirkt, erscheint nicht neu zu sein, wurde aber im Rahmen von zahlreichen Studien und Untersuchungen in den vergangenen Jahren belegt. Eine Studie der Universität Maastricht über die „Psychische Ermüdung in der Arbeitswelt“ konnte nachweisen, dass bereits ein Jahr nach Arbeitsbeginn 10 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen chronisch ermüdet waren. Männer leiden dabei besonders unter emotionalen und körperlichen Belastungen, während sich Frauen durch Aufgabenansprüche und Konflikte mit KollegInnen belastet fühlen und ermüden. Forscher der NASA haben herausgefunden, dass MitarbeiterInnen, die nachmittags ein Schläfchen halten können, ihre Leistungsfähigkeit um 35 Prozent und die Qualität ihrer Entscheidungen sogar um 50 Prozent steigern konnten. Viele weitere Studien belegen die Wirkungen eines Kurzschlafs zwischendurch.

All das spricht also klar für das Powernapping, das Schläfchen zwischendurch. Für unsere Groß- oder Urgroßeltern war es noch selbstverständlich, nach dem Mittagessen kurz im Lehnstuhl wegzudösen oder auch den Kopf zu einem Nickerchen auf die Tischplatte zu legen. Heute gilt es, den Vorurteilen entgegenzutreten und den Büroschlaf aufzuwerten. Denn er wirkt sich positiv auf das Kurzzeitgedächtnis aus, steigert die Leistung, schützt vor Herzkrankheiten und macht obendrein gute Laune! Allerdings gilt auch: nicht zu lange schlafen. Schon fünf Minuten wirken entspannend, aber länger als 20 bis 30 Minuten soll der Schlaf nicht dauern. Sonst wird das Erwachen ein Problem.

Und wie geht das im Büro? Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: die Rückenlehne des Bürostuhles zurückklappen, Füße auf den Tisch und entspannen. Oder den Kopf auf die Tischplatte legen, wie es schon die Altvorderen taten. Und wer es braucht, kann über seinen MP3-Player oder sein Handy etwas Entspannendes anhören.

W.O.Geberzahn


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