Wissenschaft, Glaube, Aberglaube: die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen! Bild: WOG

13.01.2010 - Management

Was taugen Prognosen – bessere Zeiten in 2010?

Jahreswechsel sind die Boomzeiten der Prognostiker, Trendbeobachter und Wahrsager. Während sich das gemeine Volk mit Bleigießen (Achtung: Umweltschädlichkeit!), Horoskopen oder Kaffeesatzlesen beschäftigt, stützt sich die zahlenorientierte Wirtschaft auf die Experten der Wirtschaftsforschungsinstitute und Wirtschaftsweisen. Volk und Wirtschaft wünschen sich nichts sehnlicher als etwas über die Zukunft zu erfahren. Denn wem dies gelänge, der hätte wohl gegenüber seinem Konkurrenten einen unleugbaren Vorteil gewonnen. Also ist man auch bereit entsprechend hierfür zu zahlen. Nach dem Motto, „Was nichts kostet taugt auch nichts“ vergoldet die Wirtschaft ihren wissenschaftlichen Auguren den manchmal vier Stellen hinter dem Komma umfassenden Ausblick auf künftige Entwicklungen.

Leider stellt sich hinterher immer wieder heraus, dass den teuer bezahlten Gutachten bestenfalls Zufallstreffer gelingen. Jede Hausfrau dürfte mit ein bisschen gesundem Menschenverstand, verbundenen Augen und ohne Vorkenntnisse über die Jahre zu den gleichen Ergebnissen kommen. Oder ist bekannt, dass die Institute die Weltwirtschaftskrise vorhergesagt haben? Das gelang nur einigen kritischen Analytikern, auf die niemand hören wollte. Wozu also der ganze finanzielle Aufwand, wenn all die Gutachten und Prognosen sprichwörtlich „für die Katz sind“? Einerseits suchen alle nach einer gewissen Orientierung und Sicherheit, nach Daten, aus denen man die Zukunft hochrechnen kann. Andererseits haben Prognosen immer den Sinn der selbsterfüllenden Prophezeiung. Wird Wachstum vorausgesagt, muss man alles tun, um das Wachstum zu unterstützen. Wird eine Rezession angekündigt, gilt es, alles zu tun, um Wachstum zu generieren. Wie auch immer, beides läuft inhaltlich auf das Gleiche hinaus. Schon dem französischen Arzt Nostradamus gelang es im sechzehnten Jahrhundert alljährlich die Menschen mit seinen Prophezeiungen für das kommende Jahr in seinen Bann zu ziehen. Allerdings blieben seine Ausführungen verglichen mit den heutigen scheinwissenschaftlichen Standards doch sehr im Ungefähren.

Allerdings gibt es positive Beispiele von Weitsichtigkeit. Als die IBM (International Business Machines) im Jahr 1987, also vor jetzt 23 Jahren, den siebzigsten Geburtstag des Unternehmens feiern wollte, ließ die deutsche IBM unter der Führung von Theo Lutz eine Studie erstellen, wie die Nutzung von Computern im Jahr 2010 aussehen würde. Dort heißt es unter anderem: „Bis zum Jahre 2010 wird der Computer ein weit verbreitetes Werkzeug sein. Der Mensch hat sich daran gewöhnt, dass der Computer nützlich ist, aber auch daran, dass ihm der Computer in vielen Bereichen überlegen ist, und dass man nicht mehr auf ihn verzichten kann und will. Typisch für heute ist, dass wir keinerlei Gefühl dafür haben, welche Bereiche dies sein werden.“ Wenn sich auch diese Formulierung noch ziemlich im Ungefähren bewegt, besticht sie doch durch ihre Weitsichtigkeit. Man bedenke: damals wurde darüber diskutiert, ob sich Personalcomputer an jedem dritten oder vierten Arbeitsplatz durchsetzen würden, die Leistungsfähigkeit war im Vergleich zu heute geradezu lächerlich. Aber nicht alles in der Studie erweist sich als zukunftsfähig, denn die Aussage, dass eine Symbiose zwischen dem Mensch und Computer eine Fiktion bleibe, kann wohl so nicht gehalten werden. Genauso unzutreffend bleibt die Prophezeiung, dass der Datenschutz im Jahr 2010 kein Problem mehr darstelle. Eine der wohl am meisten zitierten und immer wiederholten Vorhersagen zum Thema Büro ist das „papierlose Büro.“ In schöner Regelmäßigkeit wird dieser Zustand von den Protagonisten einer neuen Bürowelt seit den frühen 1980er Jahren wieder aufgewärmt. Erst in jüngster Zeit, nach etwa dreißig Jahren, scheint diese Fiktion langsam in der Versenkung zu verschwinden. Bleiben wir zum Abschluss bei den Möglichkeiten der allernächsten Zukunft: Rechtzeitig zum Jahresende 2009 veröffentlichte das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln die Ergebnisse einer Umfrage unter 44 deutschen Wirtschaftsverbänden. „Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ist nach wie vor nicht überwunden und wird auch im nächsten Jahr einige Branchen noch hart treffen. Doch insgesamt scheint das Gröbste überstanden, und die meisten Branchen sehen wieder einen Aufwärtstrend,“ so Prof. Michael Hüther, Direktor des IW. Wenn 27 der befragten Verbände angeben, die Stimmung sei besser als am Jahresende 2008, so kann das Anlass für einen verhaltenen Optimismus bieten. Immerhin: das IW bringt das Ergebnis einer Umfrage zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das ist keine Prognose, sondern nichts weiter als eine Sammlung von Meinungen. Die Interpretation beleibt der Intelligenz des Individuums überlassen. W.O.Geberzahn Weitere Informationen: http://www.iwkoeln.de/Informationen/Dokumente/Andere/tabid/145/ItemID/24214/Default.aspx http://www.iwkoeln.de/Informationen/Dokumente/Andere/tabid/145/ItemID/24214/Default.aspx

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13.01.2010 - Management

Was taugen Prognosen – bessere Zeiten in 2010?

Jahreswechsel sind die Boomzeiten der Prognostiker, Trendbeobachter und Wahrsager. Während sich das gemeine Volk mit Bleigießen (Achtung: Umweltschädlichkeit!), Horoskopen oder Kaffeesatzlesen beschäftigt, stützt sich die zahlenorientierte Wirtschaft auf die Experten der Wirtschaftsforschungsinstitute und Wirtschaftsweisen. Volk und Wirtschaft wünschen sich nichts sehnlicher als etwas über die Zukunft zu erfahren. Denn wem dies gelänge, der hätte wohl gegenüber seinem Konkurrenten einen unleugbaren Vorteil gewonnen. Also ist man auch bereit entsprechend hierfür zu zahlen. Nach dem Motto, „Was nichts kostet taugt auch nichts“ vergoldet die Wirtschaft ihren wissenschaftlichen Auguren den manchmal vier Stellen hinter dem Komma umfassenden Ausblick auf künftige Entwicklungen.

Leider stellt sich hinterher immer wieder heraus, dass den teuer bezahlten Gutachten bestenfalls Zufallstreffer gelingen. Jede Hausfrau dürfte mit ein bisschen gesundem Menschenverstand, verbundenen Augen und ohne Vorkenntnisse über die Jahre zu den gleichen Ergebnissen kommen. Oder ist bekannt, dass die Institute die Weltwirtschaftskrise vorhergesagt haben? Das gelang nur einigen kritischen Analytikern, auf die niemand hören wollte.

Wozu also der ganze finanzielle Aufwand, wenn all die Gutachten und Prognosen sprichwörtlich „für die Katz sind“? Einerseits suchen alle nach einer gewissen Orientierung und Sicherheit, nach Daten, aus denen man die Zukunft hochrechnen kann. Andererseits haben Prognosen immer den Sinn der selbsterfüllenden Prophezeiung. Wird Wachstum vorausgesagt, muss man alles tun, um das Wachstum zu unterstützen. Wird eine Rezession angekündigt, gilt es, alles zu tun, um Wachstum zu generieren. Wie auch immer, beides läuft inhaltlich auf das Gleiche hinaus. Schon dem französischen Arzt Nostradamus gelang es im sechzehnten Jahrhundert alljährlich die Menschen mit seinen Prophezeiungen für das kommende Jahr in seinen Bann zu ziehen. Allerdings blieben seine Ausführungen verglichen mit den heutigen scheinwissenschaftlichen Standards doch sehr im Ungefähren.

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