14.07.2010 - Management

Social media und Marketing – was tut der Mittelstand?

Das Internet verändert die Unternehmenskommunikation – sollte man glauben. Vor allem der Microblogging-Dienst Twitter hat neben Facebook und Xing in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Die kurzen Twitter-Nachrichten mit einer Länge bis zu 140 Zeichen werden bisher nicht nur weltweit von einer riesigen Fangemeinde genutzt, auch die meisten Großunternehmen haben die Bedeutung des Dienstes für das Marketing erkannt. Die Botschaften können von jedermann gelesen bzw. abonniert werden. Das nutzen beispielsweise die meisten DAX-Unternehmen, um Beziehungen in den Markt aufzubauen. Doch was ist mit den kleinen und mittleren Unternehmen, den so genannten KMUs? Nutzen sie diese Dienste und profitieren sie davon? Eine Studie der Hochschule Aalen untersuchte, wie Firmen dieser Größenordnung mit den neuen Medien umgehen.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Holzbaur wurden 250 KMUs in der Unternehmensgröße vorwiegend von 11 bis 100 Beschäftigten aus der Region Ostwürttemberg befragt. Das Studentenprojekt wurde unterstützt von der Seifert Transport GmbH aus Schwäbisch Gmünd, die selbst einen Großteil ihrer Marketingaktivitäten in die Social Media verlegt hat. Das Transportunternehmen hat im Mai dieses Jahres seinen bislang größten Auftrag für die tägliche Fracht eines namhaften Automobilzulieferers allein über seinen Auftritt in den Social Media erhalten. Dieses Engagement hat sich für das Unternehmen schnell bezahlt gemacht, denn vorher bestand keinerlei Kontakt zum neuen Auftraggeber. Das Ergebnis der Untersuchung ist eindeutig. Von den befragten Unternehmen kamen folgende Angaben: 53% der Befragten kennen Twitter nicht. Nur 3% der regionalen Unternehmen nutzen Twitter, die meisten (89%) der übrigen Unternehmen planen hier keinerlei Engagement. Die Hochschule in Aalen und ihre Studenten ziehen daraus Konsequenzen: Im September wird die Hochschule im Rahmen der Studie einen „Leitfaden zur Implementierung von Twitter im Marketing-Mix von KMU" veröffentlichen. Der Leitfaden soll Unternehmen beim Einstieg und den ersten Schritten in Twitter helfen. Interessierte Firmen können diesen dann über die Spedition Seifert und die Hochschule zur Verfügung gestellt bekommen.

Mittlerweile werden auch engagierte Twitterer mit dem renommierten Grimme Online Award ausgezeichnet, so auch Florian Meimberg bei der letzten Preisverleihung am 30.6.2010. Sein Microblog TINY TALES ist Literatur im Twitterformat. Mit gerade einmal 140 Zeichen gelingt es Meimberg kurze und trotzdem abgeschlossene Geschichten zu erzählen wie: „NEUER PLANET ENTDECKT! Die Pressekonferenz der NASA lief weltweit live, als die Putzfrau das Staubkorn von der Teleskoplinse wischte.“ Seit Anfang Oktober 2009 twittert er mehrmals wöchentlich und regt damit die Phantasie seiner zahlreichen Leser an, denn jede der Geschichten lässt sich weiterdenken. Die Ideen, aus denen dann die Minigeschichten entstehen, entnimmt er seinem Alltag, Filmen und Büchern. „Die TINY TALES entfalten sich dabei erst im Kopf, aus den wenigen Zeichen entstehen Gedanken und Bilder, die die Geschichte komplettieren. Von sarkastisch bis romantisch reicht das Spektrum, mitunter verändert sich die Stimmung auch beim zweiten oder dritten Lesen,“ so die Jury. Und dann gibt es auch Leute, die über Twitter Tacheles reden. So der bekannte Baufachjournalist Karl Cerenko, der seit 2009 unter „bautacheles“ twittert und damit Informationen über Baustoffe, Baumaterialien und das Bauen insgesamt sehr informativ verbreitet. „Durch das Twittern hat sich bei mir einiges in der Wahrnehmung und auch in der Außendarstellung geändert. Im Vergleich zur früheren Tätigkeit als Fachjournalist mit der Anzeigenabteilung im Nacken ist man freier – muss aber auch die gegebenenfalls drohenden Folgen (Abmahnung, usw.) bedenken. Wenn’s den Followern oder Freunden nicht passt und dieselben sich verabschieden, kommen dafür wieder andere Neue, die an den Inhalten oder der Sprache Gefallen finden,“ sagt Cerenko über seine Erfahrungen. „Ich glaube das Medium befindet sich noch in einer Orientierungsphase und auch die Experten rätseln noch, wie sich der Informationsfluss (auch ökonomisch) effizienter organisieren und strukturieren lässt. Trotzdem glaube ich, dass sich diese Art der Kommunikation (Social Media) durchsetzen wird, nicht zuletzt wegen der erweiterten Hardware-Ebenen, wie Smartphones und iPads. Ich werde dranbleiben, auch wenn’s erstmal Zeit kostet und finanziell nichts einbringt.“ Und Cerenkos „Counterpart“ oder „Alter Ego“ namens Ötti würzt jeden Tweet mit einem lustig verballhornten Kommentar wie: „Zere will come better times again, xplaines Ötti.“ Drücken wir Ötti die Daumen! W.O.Geberzahn Weitere Informationen: https://twitter.com/LogistikProjekt https://twitter.com/LogistikProjekt https://twitter.com/PetraSeifert https://twitter.com/PetraSeifert https://twitter.com/tiny_tales https://twitter.com/tiny_tales https://twitter.com/bautacheles https://twitter.com/bautacheles

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14.07.2010 - Management

Social media und Marketing – was tut der Mittelstand?

Das Internet verändert die Unternehmenskommunikation – sollte man glauben. Vor allem der Microblogging-Dienst Twitter hat neben Facebook und Xing in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Die kurzen Twitter-Nachrichten mit einer Länge bis zu 140 Zeichen werden bisher nicht nur weltweit von einer riesigen Fangemeinde genutzt, auch die meisten Großunternehmen haben die Bedeutung des Dienstes für das Marketing erkannt. Die Botschaften können von jedermann gelesen bzw. abonniert werden. Das nutzen beispielsweise die meisten DAX-Unternehmen, um Beziehungen in den Markt aufzubauen. Doch was ist mit den kleinen und mittleren Unternehmen, den so genannten KMUs? Nutzen sie diese Dienste und profitieren sie davon? Eine Studie der Hochschule Aalen untersuchte, wie Firmen dieser Größenordnung mit den neuen Medien umgehen.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Holzbaur wurden 250 KMUs in der Unternehmensgröße vorwiegend von 11 bis 100 Beschäftigten aus der Region Ostwürttemberg befragt. Das Studentenprojekt wurde unterstützt von der Seifert Transport GmbH aus Schwäbisch Gmünd, die selbst einen Großteil ihrer Marketingaktivitäten in die Social Media verlegt hat. Das Transportunternehmen hat im Mai dieses Jahres seinen bislang größten Auftrag für die tägliche Fracht eines namhaften Automobilzulieferers allein über seinen Auftritt in den Social Media erhalten. Dieses Engagement hat sich für das Unternehmen schnell bezahlt gemacht, denn vorher bestand keinerlei Kontakt zum neuen Auftraggeber.

Das Ergebnis der Untersuchung ist eindeutig. Von den befragten Unternehmen kamen folgende Angaben: 53% der Befragten kennen Twitter nicht. Nur 3% der regionalen Unternehmen nutzen Twitter, die meisten (89%) der übrigen Unternehmen planen hier keinerlei Engagement. Die Hochschule in Aalen und ihre Studenten ziehen daraus Konsequenzen: Im September wird die Hochschule im Rahmen der Studie einen „Leitfaden zur Implementierung von Twitter im Marketing-Mix von KMU" veröffentlichen. Der Leitfaden soll Unternehmen beim Einstieg und den ersten Schritten in Twitter helfen. Interessierte Firmen können diesen dann über die Spedition Seifert und die Hochschule zur Verfügung gestellt bekommen.

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