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Wo der Arbeits- und Anforderungsdruck wächst – und das geschieht heute fast überall – versuchen sich die Menschen durch das gleichzei-tige Erledigen unterschiedlicher Aufgaben zu retten. Sprichwörtlich geworden ist die Mutter, die zeitgleich das Baby im Auge behält, Essen kocht, mit der Schule telefoniert und E-Mails am Laptop checkt. Im Büro klingelt das Telefon, eine neue E-Mail kommt an, die Kollegin hat eine Frage und ein Projekt muss heute noch fertig werden. Aufgaben gleichzeitig erledigen wird heute als Multitasking bezeichnet. Während Männer die Dinge gerne nacheinander regeln, wird Frauen eine erhöhte Fähigkeit zum Multitasking zugeschrieben. Eine Studie des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG) widerlegt nun diese gängigen Vorurteile. Wer versucht, verschiedene Dinge gleichzeitig zu tun, zahlt einen Preis - egal ob Mann, Frau, jung oder alt.
Obwohl renommierte Hirnforscher wie Professor Ernst Pöppel von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität das Multitasking schon seit länge-rem als „nicht existent“ bezeichnen, wird immer wieder darüber diskutiert. Das Gehirn sei gar nicht in der Lage, auf mehrere Dinge gleichzeitig zu rea-gieren, sagt Pöppel. Denn beim Multitasking es ginge hauptsächlich um das Reagieren, nicht um das Wahrnehmen und Verarbeiten. An der jetzt vorliegenden Studie der Unfallkassen nahmen 32 weibliche und 32 männliche Versuchspersonen im Alter zwischen 21 und 60 Jahren teil. In Fahrsimulationen und nachgestellter Bürotätigkeit wurde untersucht, wie sich ihre Leistungen, ihr subjektives Erleben und ihre körperlichen Reaktio-nen unter Multitasking-Bedingungen entwickelten. Die Ergebnisse waren eindeutig: die Fahrleistungen litten unter Multitasking-Bedingungen, die Versuchspersonen waren angespannter, ihr Herz schlug schneller. Bei den Bürotätigkeiten zeigten sich Leistungsverschlechterun-gen, wenn Tätigkeiten parallel bewältigt werden mussten, die Probanden waren auch hier angespannter. Die Versuchsleiterin Dr. Hiltraut Paridon erläutert: „Wer mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen muss, erhöht da-mit seinen Stress und macht Fehler. Das ist weder für den Einzelnen gut, denn er schadet damit seiner Gesundheit. Noch ist es gut für das Unter-nehmen, denn bei Stress geschehen mehr Unfälle und die sind teuer!“ Nun lassen sich aber solche Mehrfachbelastungen nicht immer vermeiden. Deshalb rät Dr. Paridon zur kritischen Betrachtung. Jeder solle versuchen, vor allem in sicherheitsrelevanten Bereichen Multitasking zu vermeiden und so auch die Gesundheit anderer zu schützen.
Es gibt aber auch Wissenschaftler, die noch weiter gehen und davon reden, dass Multitasking zu schleichenden Veränderungen unserer kognitiven Fä-higkeiten führt. Forscher der Universität London fanden heraus, dass bei Arbeitnehmern, die von Telefongesprächen oder E-Mails abgelenkt werden, eine Schwächung des Intelligenzquotienten eintreten kann. Der Psychiater Edward Hallowell spricht von einer Aufmerksamkeitsschwäche, die an ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) erinnert. Amerikani-sche Wissenschaftler meinen, dass das Gehirn seine Fähigkeit, sich auf bestimmte Inhalte zu fokussieren verliere und ein Burn-out als langfristige Folge unvermeidlich sei. Andererseits ist es so, dass der heutzutage immer mehr vernetzte Mensch Signale aus der Vielfalt der Wahrnehmungen herausfiltert, weil sonst man-che Tätigkeiten wie beispielsweise Autofahren nicht mehr möglich wären. „Wir filtern aus einer Milliarde Bits pro Sekunde etwa Hundert heraus, die das Gehirn verarbeiten kann,“ sagt Professor Reinhard Oppermann vom Forschungsbereich „Information im Kontext“ ICON des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik (FIT) in Sankt Augustin. Durch die ständige Teilnahme an elektronischen Vernetzungen wie Internet und E-Mail entsteht eine Art geistiges Zapping, das zu Stress, Konzentrationsschwäche und extrem klein portionierten Arbeitsphasen führt. Letztlich bleibt die Frage, inwieweit der Umgang mit solchen Situationen erlernbar ist. Wenn man Frauen unterstellt, dass sie mehrere Reize gleich-zeitig wahrnehmen und verarbeiten können, dann liegt das gemäß den Wis-senschaftlern nicht an einer angeborenen Überlegenheit, sondern an mehr Übung. Wenn aber bewusst Entscheidungen getroffen werden müssen, ist es schnell mit dem Parallelarbeiten vorbei. „Zu einem bestimmten Zeitpunkt kann immer nur ein einzelner Sachverhalt im Zentrum des Bewusstseins stehen,“ betont Professor Pöppel. W.O.Geberzahn
Wo der Arbeits- und Anforderungsdruck wächst – und das geschieht heute fast überall – versuchen sich die Menschen durch das gleichzei-tige Erledigen unterschiedlicher Aufgaben zu retten. Sprichwörtlich geworden ist die Mutter, die zeitgleich das Baby im Auge behält, Essen kocht, mit der Schule telefoniert und E-Mails am Laptop checkt. Im Büro klingelt das Telefon, eine neue E-Mail kommt an, die Kollegin hat eine Frage und ein Projekt muss heute noch fertig werden. Aufgaben gleichzeitig erledigen wird heute als Multitasking bezeichnet. Während Männer die Dinge gerne nacheinander regeln, wird Frauen eine erhöhte Fähigkeit zum Multitasking zugeschrieben. Eine Studie des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG) widerlegt nun diese gängigen Vorurteile. Wer versucht, verschiedene Dinge gleichzeitig zu tun, zahlt einen Preis - egal ob Mann, Frau, jung oder alt.
Obwohl renommierte Hirnforscher wie Professor Ernst Pöppel von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität das Multitasking schon seit länge-rem als „nicht existent“ bezeichnen, wird immer wieder darüber diskutiert. Das Gehirn sei gar nicht in der Lage, auf mehrere Dinge gleichzeitig zu rea-gieren, sagt Pöppel. Denn beim Multitasking es ginge hauptsächlich um das Reagieren, nicht um das Wahrnehmen und Verarbeiten.
An der jetzt vorliegenden Studie der Unfallkassen nahmen 32 weibliche und 32 männliche Versuchspersonen im Alter zwischen 21 und 60 Jahren teil. In Fahrsimulationen und nachgestellter Bürotätigkeit wurde untersucht, wie sich ihre Leistungen, ihr subjektives Erleben und ihre körperlichen Reaktio-nen unter Multitasking-Bedingungen entwickelten.
Die Ergebnisse waren eindeutig: die Fahrleistungen litten unter Multitasking-Bedingungen, die Versuchspersonen waren angespannter, ihr Herz schlug schneller. Bei den Bürotätigkeiten zeigten sich Leistungsverschlechterun-gen, wenn Tätigkeiten parallel bewältigt werden mussten, die Probanden waren auch hier angespannter. Die Versuchsleiterin Dr. Hiltraut Paridon erläutert: „Wer mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen muss, erhöht da-mit seinen Stress und macht Fehler. Das ist weder für den Einzelnen gut, denn er schadet damit seiner Gesundheit. Noch ist es gut für das Unter-nehmen, denn bei Stress geschehen mehr Unfälle und die sind teuer!“
Nun lassen sich aber solche Mehrfachbelastungen nicht immer vermeiden. Deshalb rät Dr. Paridon zur kritischen Betrachtung. Jeder solle versuchen, vor allem in sicherheitsrelevanten Bereichen Multitasking zu vermeiden und so auch die Gesundheit anderer zu schützen.
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